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Earth-Overshoot-Day schon am 22. August

Es ist das Jahr 2020: wir in Berlin, in Deutschland, auf der Welt sind seit zwei Jahren verstärkt auf den Straßen, um für mehr Klimaschutz zu kämpfen. Und trotzdem müssen wir uns wieder einmal eingestehen, dass zu wenig geschehen ist.

Denn für dieses Jahr haben wir bereits am 22. August mehr von unserer Natur verbraucht, als die Ökosysteme der Erde im ganzen Jahr erneuern können. Heute ist Erdüberlastungstag. Damit sind wir ein wenig langsamer gewesen als letztes Jahr – aber nicht, weil ein tatsächlicher Wandel von Seiten der Politik eingeleitet wurde und ein schonender Umgang mit der Natur begonnen wurde; nein, es liegt an der schlimmen Krise der Corona-Pandemie und damit allenfalls eine temporäre Verhaltensänderung.

Auch nach der Corona-Krise wird unser Strom aber noch viele Jahre aus verbrannter Kohle kommen, Wälder geholzt werden, schädliche Emissionen durch Flug- und Auto-Verkehr ausgestoßen. Wir leben in Deutschland über die Verhältnisse, aber nicht unsere, sondern die von anderen, der Menschen im globalen Süden, die die Folgen unseres Lebensstils bereits jetzt tragen. Die entstehenden Schäden müssen alle künftigen Generationen tragen.

Aber heute sind wir hier, weil wir das nicht akzeptieren. So wollen wir von Klimaneustart Berlin den Menschen in Berlin die Möglichkeit geben, sich aus der Rolle der Zuschauenden zu befreien und den Weg in eine klimaneutrale Zukunft mitzugestalten.

Wir prangern an, dass Senat und Abgeordnetenhaus in Berlin das Thema Klimaschutz nicht ausreichend berücksichtigen – trotz ausgerufener Klimanotlage. Deshalb wollen wir nächstes Jahr einen Volksentscheid durchführen, um die Klimaziele von Berlin zu verschärfen und an das Pariser Abkommen anzugleichen.

Wir wollen aber auch 2020 bereits nutzen für das Klima und haben deshalb Ende Juli die neue Volksinitiative „Klima-Bürger:innenrat“ gestartet und sammeln dafür nun 20.000 Unterschriften.

Die Idee ist, dass Teilnehmende per Losverfahren bestimmt werden und repräsentativ aus allen Bevölkerungsteilen und Bezirken Berlins zusammengesetzt sind. Dann werden die Teilnehmenden von Wissenschaftler:innen zu den Klima-Fakten informiert – am besten in einer öffentlichen Übertragung. Darauf aufbauend soll der Rat dann Lösungen erarbeiten, wie wir Berlin zu einer klimaneutralen Stadt umgebaut bekommen. Und zwar sozial gerecht und inklusiv.

Wir sind überzeugt vom Klimabürger:innenrat, weil so Menschen mit den verschiedensten Lebensrealitäten eine Stimme bekommen. Der daraus entstehende Diskurs verschiedener Berliner*innen kann auch was gegen die Polarisierung unserer Gesellschaft tun und kann zusammen mit den Maßnahmen, die der Rat beschließt, nicht mehr von der Politik ignoriert werden, diese wird keine Ausrede mehr haben für ihr Nichtstun.

Um mit unserer Forderung nach diesem Rat jetzt aber ausreichend Druck ausüben zu können, brauchen wir euch. Helft uns, Unterschriften zu sammeln, Listen auszulegen und für die Volksinitiative und die Transformation unserer Stadt zu werben.

Machen wir gemeinsam Berlin klimaneutral und zeigen damit, wie durch mehr Demokratie mehr Klimaschutz möglich gemacht wird.

Und ganz in dem Sinne -Think global, act local- zeigen wir heute, dass wir uns nicht kleinkriegen lassen; wir arbeiten weiter an der Transformation, weil wir überzeugt sind, dass es auch anders geht. Dass der Earth Overshoot Day schon bald auch der Vergangenheit angehören kann.

Kathrin Lehmann